In der Geisterbahn

Halloween.

Nur an diesem einen Tag fühlte sich das Clown-Sein wie eine Bestimmung an. 

Euphorisch streifte sich Gregor das spezielle Kostüm über,  welches viel edler und teurer war als das, was er täglich auf der Straße trug. Der dunkelblaue Samtstoff war mit goldenen Sternchen übersäht und schimmerte im Licht. Große weiße Rüschen schmückten seinen Hals sowie seine Fußknöchel und Handgelenke. Auch das Make-Up trug er dicker und dramatischer auf als üblich. Sogar seine lilafarbenen Schuhe wirkten wie neu.

Im Vergnügungspark war der Teufel los, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine übergroße Figur wurde am Scheiterhaufen verbrannt, während Zombies, Hexen und Vampire frei herumliefen. In der Luft roch es nach Süßem und Frittiertem. Es war dunkel, laut und überfüllt.

Ideale Voraussetzungen.

Unauffällig schlicht sich Gregor zum geheimen Eingang der Geisterbahn. Er beobachtete die Gesichter in der Warteschlange und grinste breit, als er sein Opfer erkannte. Geduldig spähte er weiter, bis sich der Mann in die Chaise Nummer 13 setzte und los fuhr. Augenblicklich verschwand auch Gregor in der Dunkelheit. Die Innenbeleuchtung der Animatronics half ihm der paarweise angebrachten Schienen zu folgen. Er musste sich nicht verstecken, obwohl sein Anblick die meisten Besucher erschreckte. Manche von ihnen brüllte er absichtlich an und andere wiederum ignorierte er völlig. Das Messer in seiner Hand blitzte jedes Mal auf, wenn bei der Fotostation die Kamera ausgelöst wurde.

Dort stand er. Und wartete. 

Draußen, vor dem Eingang sowie beim Ausgang der Geisterbahn, waren große Bildschirme montiert. Die Besucher konnten sich nach der Fahrt ihr Foto als Andenken kaufen, während den Besuchern vor dem Eingang ein kleiner Vorgeschmack auf das, was sie drinnen erwartete, geliefert wurde.

Ein Bild löste das andere ab. Nach zahlreichen erschrockenen Gesichtern kam ein zutiefst verstörendes und ekelerregendes Foto von einem Mann, dem ein Messer in der Brust steckte. Aus seinem Mund floss dunkelrotes Blut und sein Kopf war seitlich geneigt. Man konnte ihm die Angst in seinen toten Augen sehen.

„Boah, das sieht ja total echt aus!“, rief ein Teenager fasziniert und deutete auf das aktuelle Foto von der Chaise Nummer 13. 

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