Das Monster

Aus Stunden wurden Tage, aus Tagen Monate. Fünf Monate, genau genommen. So lange habe ich gebraucht, um seine Entscheidung endgültig zu akzeptieren.

Die Wunde, die er hinterließ, begann nur sehr langsam zu heilen. Wichtig war es aber, dass ich überhaupt genesen konnte. Das wuschelige, haarige Ungeheuer, das mich monatelang gequält und verängstigt hatte, kam endlich zur Ruhe und verkroch sich irgendwo in einem Loch im Herzen, das er mir ebenfalls hinterlassen hatte. Ich weiß selbst nicht wie und warum, wahrscheinlich wird es die Zeit gewesen sein, in der ich mich an meine Narben und mein Monster gewöhnen musste, aber nach all diesen aussichtslosen Tagen, durchgeweinten Nächten und  vorgetäuschten Lächeln fand ich mich endlich damit ab, dass mich der Mann meiner Träume für immer verlassen hatte.

In einer heißen Sommernacht saß ich auf der Terrasse und starrte den dunklen Himmel an. Sterne funkelten und zwinkerten mir Mut zu. Umgeben von einer Stille, die nur durch  das Zirpen der Heuschrecken unterbrochen wurde, schwieg ich und lächelte.  In diesem Moment ließ ich ihn bewusst los. Alles was geschehen war, alles was ich gefühlt und gesehen hatte, erklärte ich für Vergangenheit. Alles, was wir erlebt hatten, schloss ich wie ein Bilderbuch zusammen und legte es zur Seite. Eine schöne, verträumte Vergangenheit verband uns, die nie eine Chance hatte – das waren wir, mehr nicht. Ich saß da und sein Monster, das er mir wie ein Haustier zurückgelassen hatte, gesellte sich zu mir und starrte ebenfalls zum Himmel hinauf. Ab diesem Zeitpunkt wurden das Monster und ich Freunde, und die Erinnerung an Früher suchte mich nur selten auf. Und wenn sie es tat, lächelte ich das Monster an und verstand nicht, warum ich mich vor der kuscheligen, lieb schauenden Kreatur gefürchtet hatte. Schließlich war es mein eigenes Monster, das er zum Leben erweckt hatte.

IMG_3269

Die Liebespraline

Männer sind wie Konfekt: süß auf unterschiedliche Art und Weise; manche haben etwas Würze oder Alkohol intus; andere wiederum verstecken geschickt ihre weiche Schokoladenfüllung; garniert mit Pistazien, Kokosraspeln, verziert in allen möglichen Varianten – ein Traum für gierige Naschkatzen. Doch in jeder Schachtel lauert eine Praline, die lieber nicht zur Kostprobe werden sollte. Verboten reizvoll wartet sie nur darauf, auserwählt und probiert zu werden.  Ein einziges Mal gekostet kann sie schneller als erwartet die geheimen Ingredienzen entfalten und überraschende Zustände hervorrufen, die dauernde Schäden hinterlassen. Denn diese eine, in Herzform gegossene Süßigkeit, hat einen allerliebsten  Zuckerschock als Folge, von dem sich die Frau nicht so leicht erholt. Die  Liebespraline führt nämlich eine chemische Reaktion herbei, macht süchtig und abhängig. Wenn ihre Wirkung nachlässt und vom Köper zur Gänze abgebaut wurde, bleiben Abträge am Herzen und Entzugserscheinungen.

Deshalb: Achtung! Bitte mit Vorsicht genießen!

Trotzdem nascht sie wieder von einer neuen Pralinenschachtel, sucht sich dieses Mal sofort das herzförmige Stück Konfekt heraus, in der Hoffnung, dass der Rauschzustand für immer anhält. Aber auch diese Herzpraline, obwohl etwas anders als die vorige, zergeht genüsslich im Mund, führt in Ekstase und löst sich Stück für Stück auf. Ob sie mit der nächsten Pralinenbox mehr Glück haben wird?

IMG_1349