Allgemein, bücher, harry potter

Über Harry Potter

Liebe J.K. Rowling!

Ich kann mich erinnern, dass er damals für Aufregung sorgte. Jeder las über den berühmten Zauberjungen und sah ihn auf der großen Leinwand. Nur ich nicht.

Die Jahre flogen dahin und ich wurde erwachsen. In meinem Leben lief es drunter und drüber. Es gab einen Zeitpunkt, an den ich mich nicht gerne erinnere. Ich war verloren. Es war das Fürchterlichste, was ich bisher erlebt hatte. Und dann traf ich Harry, den Jungen der überlebte.

In diesen, für mich dunklen Zeiten, begann ich Harry Potter zu lesen. Ich konnte nicht glauben, wie viel Licht und Freude dieser kleine Junge in mein Leben gebracht hatte. Ich sah ihn aufwachsen und entwickelte unwillkürlich Muttergefühle für ihn. Er war mein Harry und ich bangte mit ihm. Ich sah ihn aufwachsen, war mit Stolz erfüllt über seine Tapferkeit, sein gutmütiges Herz und seinem Durchhaltevermögen. Ich lachte mit ihm, ich weinte mit ihm. Als er dann schlussendlich seine eigene Familie gründete, ließ ich ihn wieder los. Mein Harry war erwachsen und ich wurde Großmama.

Eine unglaublich tolle Welt, in die Sie uns eintauchen lassen. Diese Welt hatte mich damals aus meiner befreit.

Mittlerweile bin ich selbst Mutter. Letzte Woche war ich mit meinem zehnjährigen Sohn in der Buchhandlung. Zufällig sind mir die Bücher aufgefallen und ich dachte mir, dass es an der Zeit wäre, ihm die magische Welt zu zeigen. Seitdem läuft er mit dem ersten Band durchs Haus und liest wo er kann. Vor dem Schlafen gehen höre ich ihn lachen und am nächsten Morgen beim Frühstück erzählt er uns gespannt, was im Buch so alles passiert.

Ich könnte nicht glücklicher sein. Danke J.K. Rowling, vom ganzen Herzen! Sie haben Großartiges geleistet.

 

Hochachtungsvoll,

eine ehrliche Mutter

 

IMG_5416

 

Allgemein

Winterspiele

Was machst du, wenn die Liebe deines Lebens, sich als unmöglich entpuppt? Ganz einfach: du rennst davon. Ständig auf der Flucht vor ihm, vor den eigenen Gedanken und Erinnerungen. Das alles, um etwas Frieden zu finden, um die erschöpfte Seele auszuruhen.

Weihnachten und Silvester vergingen schnell. Die Feiertage waren anstrengender als erwartet. Die Familie merkte die Melancholie, die ihre einst so aufgedrehte und gesprächige Mirabell umgab. Trotz ihres aufgesetzten Lächelns wussten auch ihre Freunde, dass sie ihn noch nicht vergessen hatte. Alle bemerkten die Veränderung, und nur sie fühlte es. Sie brauchte mehr Abstand. Geografische Distanz. Also packte sie am nächsten Morgen ihre Klamotten, nahm ein paar Bücher mit und ging zum Bahnhof.

„Bitte ein Ticket für den nächsten Zug. Egal wohin.“, verlangte sie am Schalter etwas unsicher. Die Dame warf kurz einen Blick über die dicken Ränder ihrer Lesebrille und starrte dann auf den Bildschirm ihres Computers. „Na dann, viel Spaß in Prag. Nächster bitte!“, schrie die Dame über Mirabells Schuler.

Die Zugfahrt war angenehm, auch das einsame kleine Hotel in dem sie abstieg, war zu ihrer Zufriedenheit. Da sie die Einsamkeit nicht mehr ertrug, beschloss sie ihre einzigen Verwandten, die hier lebten, aufzusuchen. Sie verbrachte einen netten Tag mit ihnen. Obwohl es draußen kalt war und der Schnee die Dächer und Straßen bedeckte, ließ sie sich die Schönheiten der Stadt zeigen. Am Abend jedoch machte sie alleine einen kurzen Spaziergang auf der Karlsbrücke. Sie war überrascht, nur ein paar Menschen anzutreffen. Wahrscheinlich hielt die eisige Kälte die meisten davon ab, sich im Freien aufzuhalten.

Plötzlich fühlte sie die so sehr erwünschte Ruhe. Sie stand alleine mitten auf der Brücke und starrte zu den Dächern und Kuppeln der Stadt hinauf. Die Straßenlaternen leuchteten und ließen den Schnee noch weißer erscheinen. Die stummen Figuren schienen ihr Leid zu kennen und sie zu verstehen. Sie hielt die Tränen zurück und lächelte. Hatte sie es geschafft? Hatte sie ihn, der einer anderen versprochen war, ihn, der ein doppeltes Spiel gespielt hatte und der die Meinung seiner Eltern über seine eigenen stellte, hatte sie ihn endlich überwunden? In diesen Gedanken versunken drehte sie sich um, und blickte auf den knirschenden Schnee unter ihren Stiefeln. Als sie die Füße eines anderen erkannte, hob sie augenblicklich den Kopf, um den Touristen auszuweichen. Aber es war kein Tourist. Es war er.

Eine unkontrollierte Wärme breitete sich in ihrem Körper aus, ihre Hände begannen zu zittern und es verschlug ihr die Sprache, während ihr Blick an ihm festzukleben schien. Unfähig wegzusehen starrte sie in diese geheimnisvollen Augen. Was tat er hier? Was tat er ausgerechnet in diesem Land, in dieser Stadt, zu dieser Zeit, auf dieser Brücke? Wie konnte man nur so viel Pech im Leben haben, um genau der Person, vor der man auf der Flucht war, in die Arme zu laufen?

Er hingegen schien erfreut darüber. Sein Lächeln war leicht und verspielt. Anscheinend verspürte er nicht den geringsten Anteil vom Kummer und Schmerz, den sie tapfer und schweigend ertrug. Wo war seine Verlobte? Waren sie mit beiden Familien hierhergekommen, um einen der märchenhaften Bälle zu besuchen, zu den solche feinen Menschen gingen, zu dessen Elite sie selbst nie dazugehören würde? Ein letztes Mal sammelte sie alle Kraft die sie hatte, drehte sich um und begann wegzulaufen. Wie ein Kind lief sie auf wackeligen Beinen und fürchtete sich, auf diesem weißen Überzug auszurutschen. Eine Hand, sie erkannte anhand des Griffes, dass es seine war, zwang sie zu Stehen. Sie vermied jeglichen Augenkontakt und drehte jedes Mal den Kopf von ihm weg, während er veruchte, ihren Blick zu fangen.

Sie war am Ende. Sie konnte ihm nicht entkommen.

In seiner Umarmung fielen ihr plötzlich die Worte von Bukowski ein, den sie auf der Zugfahrt gelesen hatte. „Finde was du liebst und lass es dich töten.“ Vielleicht war das der einzige Weg für sie. Nicht mehr wegzurennen, sondern sich auf seine Spielchen einzulassen.

Allgemein

Mondgeheimnisse

Es war kurz nach Mitternacht. Der Mond war übermäßig groß und leuchtete schummrig am dunklen Nachthimmel. Ein Mann, eingehüllt in einen schwarzen Umhang, ritt auf einem Pferd durch die Landschaft. Obwohl er schnell unterwegs war und der Wind seinen Mantel wie einen Vorhang wehte, saß sein runder Hut fest und verdeckte sein Gesicht. Auf einem Hügel angekommen, brachte er sein wildes Tier zum Stehen und stieg herab. Immer noch versteckte er sein Gesicht und schlich sich zur kleinen Holzhütte, durch dessen Fenster warmes Licht entkam. Ohne anzuklopfen riss er die Türe auf und trat hinein.

Eine dünne Frau, Mitte vierzig, mit langen grauen Haaren, stand im Zimmer und starrte erschrocken den Besucher an. Ihr schlichtes Kleid war aus grauer Baumwolle und um ihren Hals hing ein herzförmiges Amulett. Als sie den ersten Schock überwunden hatte, drehte sie dem Unbekannten ihren Rücken zu und kniete sich nieder, um ein paar Holzstücke in den offenen Kamin zu werfen. Schweigend schloss der Mann in der Zwischenzeit die Türe, legte seinen Hut und seinen Mantel ab und setzte sich zu Tisch. Die Frau blieb für einen Augenblick dem Feuer zugewandt, um ihr Lächeln zu verbergen, welches ihr müdes Gesicht nun schmückte. Das Kaminfeuer spiegelte sich in ihren wässrigen Augen wider. Doch nur sie beide kannten das Geheimnis der ewig lodernden Flammen in ihren grauen Fenstern der Seele, welche seit über zwanzig Jahren unauslöschlich brannten. Nachdem sie Mut gefasst hatte, erhob sie sich und goss dem Besucher unaufgefordert Tee ein. Er hatte ein Buch aufgeschlagen und las die ersten Sätze laut vor. Sie hörte ihm keine Sekunde lang zu sondern studierte schweigend das Gesicht des Mannes.  Es war gebräunt, während die Haare und sein Bart schneeweiß waren. Er sah anders aus. Aber als sein Blick auf ihren traf war plötzlich nichts mehr anders. Als wären keine Jahre vergangen, in denen sie jeglichen Kontakt verloren hatten. Ihre Augen trafen auf dasselbe Feuer in seinen, die ebenfalls nicht erloschen waren und konnten sich an der Gesellschaft des anderen nicht sattsehen.

„Du hast ein Buch geschrieben“, stellte er mit einem Funkeln in seinen Augen fest.

„Das habe ich“, bestätigte sie.

Er klappte das Buch zusammen und betrachtete es kurz.

„Du hast über uns geschrieben“

Sie lächelte und nickte mit dem Kopf. Immer noch war sie warmherzig und voller Liebe.

Der Mann holte tief Luft um etwas zu sagen, doch im letzten Moment verstummte er. In seinen Augen waren Tränen und nur eine riss sich los und glänzte auf seiner Wange.

„Psst“, tröstete sie ihn und breitete ihre Arme aus, „sage nichts.“

Wie ein Kind stürzte sich der Sechzigjährige in die Arme der Frau. Sie hielten sich lang und fest, bis beide genug Kraft gesammelt hatten, um wieder voneinander Abschied zu nehmen.

IMG_3340