Aus dem Tagebuch einer Liebenden

Das Monster

Aus Stunden wurden Tage, aus Tagen Monate. Fünf Monate, genau genommen. So lange habe ich gebraucht, um seine Entscheidung endgültig zu akzeptieren.

Die Wunde, die er hinterließ, begann nur sehr langsam zu heilen. Wichtig war es aber, dass ich überhaupt genesen konnte. Das wuschelige, haarige Ungeheuer, das mich monatelang gequält und verängstigt hatte, kam endlich zur Ruhe und verkroch sich irgendwo in einem Loch im Herzen, das er mir ebenfalls hinterlassen hatte. Ich weiß selbst nicht wie und warum, wahrscheinlich wird es die Zeit gewesen sein in der ich mich an meine Narben und mein Monster gewöhnen musste, aber nach all diesen aussichtslosen Tagen, durchgeweinten Nächten und  vorgetäuschten Lächeln fand ich mich endlich damit ab, dass mich der Mann meiner Träume für immer verlassen hatte.

In einer heißen Sommernacht saß ich auf der Terrasse und starrte den dunklen Himmel an. Sterne funkelten und zwinkerten mir Mut zu. Umgeben von einer Stille, die nur durch  das Zirpen der Heuschrecken unterbrochen wurde, schwieg ich und lächelte.  In diesem Moment ließ ich ihn bewusst los. Alles was geschehen war, alles was ich gefühlt und gesehen hatte, erklärte ich für Vergangenheit. Alles, was wir erlebt hatten, schloss ich wie ein Bilderbuch zusammen und legte es zur Seite. Eine schöne, verträumte Vergangenheit verband uns, die nie eine Chance hatte auf die Zukunft – das waren wir, mehr nicht. Ich saß da und sein Monster, das er mir wie ein Haustier zurückgelassen hatte, gesellte sich zu mir und starrte ebenfalls zum Himmel hinauf. Ab diesem Zeitpunkt wurden das Monster und ich Freunde, und die Erinnerung an Früher suchte mich nur selten auf. Und wenn sie es tat, lächelte ich das Monster an und verstand nicht, warum ich mich vor der kuscheligen, lieb schauenden Kreatur gefürchtet hatte. Schließlich war es mein eigenes Monster, welches er nur zum Leben erweckt hatte.

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