Thriller

nightcall

Hektisch und mit zittrigen Händen suche ich nach einer Waffe, nach irgendetwas,  womit ich mich verteidigen kann. Wie wild hämmert das Herz gegen die Brust, um meinen schwachen Körper weiterhin mit Adrenalin zu versorgen. Sie werden jede Sekunde zurückkommen und ich will nicht das gleiche Schicksal erleiden wie der unschuldige Pizzabote, der immer noch vor der Eingangstüre liegt, tot.

Unter der Couch finde ich eine Pistole, eingepackt in eine Ziploc-Tüte, inklusive Munition. Ich frage mich ob ich den Mut hätte, sie auch zu benutzen. Zu sterben bin ich noch nicht bereit und schon gar nicht auf diese Weise. Aber um mein Leben zu retten muss ich das von jemand anderen nehmen. Verzweifelt werfe ich die Waffe auf die Couch. Mein Blick trübt sich und reflexartig wische ich eine Träne weg. Ich weiß, dass ich es nicht tun kann.

Plötzlich höre ich ein Geräusch und lausche neugierig. Ich atme nicht und meine ganze Aufmerksamkeit ist auf die Eingangstüre gerichtet. Sind sie es? Werden sie mich jetzt töten oder mich verschonen, weil ich irgendwie zur Familie gehöre?

Obwohl es mein Bruder und mein Vater sind, die die Wohnung betreten, bin ich nicht erleichtert oder glücklich, sie zu sehen. Stattdessen spüre ich Wut, die mich innerlich zerreißt. Sie sind nicht besser als diese Mörder, mit denen sie Geschäfte machen. Ich will nicht fragen, wo sie waren und was  sie gemacht haben. Es kostet mich ohnehin viel Anstrengung, die Stimme in meinem Kopf zu verdrängen, die leise antwortet: „Dasselbe wie ihre Geschäftspartner mit dem Pizzaboten.“

„Gib mir die Autoschlüssel, ich verschwinde von hier!“, sage ich, ohne einen von ihnen anzusehen. Mein Blick ist auf den Boden gerichtet und meine Hand ist ausgestreckt.

„Warum? Was ist los?“,  fragt mein Bruder. Er ist beherrscht und wirkt seelenruhig. Wie kann er nur? Ich fürchte mich zu gestehen, dass es womöglich daran liegt, dass er keine Seele hat.

„Weil einer von deinen Gangstern soeben einen unschuldigen Mann erschossen hat! Vor meinen Augen!“, schreie ich unkontrolliert. „Jemand soll mir die verdammten Autoschlüssel geben!!“, fordere ich verzweifelt ein letztes Mal. Mein Bruder schweigt. Er weiß, dass er sein Auto nie wieder sehen würde, genauso wie mich.

„Hier“,  sagt mein Vater und händigt mir seine Schlüssel. „Hör zu: Wenn deine Mutter das mit dem Geld erfährt, dann…“

„Das wird sie nicht, ich verspreche es! Außerdem brauchen wir euer verdammtes Geld nicht und ich werde nie ein Wort darüber verlieren oder über meinen Besuch hier! Das war ein großer Fehler!“ Ich bin fest entschlossen alles, was ich hier gesehen habe, aus meinem Gedächtnis zu löschen. Hoffentlich gelingt es mir.

„Gut. Dann fahr vorsichtig“, sagt er gleichmütig. Ohne einen weiteren Kommentar abzuwarten, drehe ich mich um und eile zur Türe. Beim Anblick auf die am Boden liegende Leiche wird mir übel und entlang meinem Rücken spüre ich einen kalten Schauder, als ob mir jemand eisiges Wasser auf den Rücken schüttete. Ich fürchte der leere Blick dieser glasigen Augen wird mich für immer verfolgen.

Mit wackeligen Beinen gehe ich an ihm vorbei und laufe hinaus in die Nacht. Auf der Straße erkenne ich den schwarzen Range Rover und springe sofort hinein. Ohne mich anzuschnallen trete ich auf das Gaspedal und fliehe aus Florenz. Die Hände schwitzen und mit jedem zurückgelegten Kilometer verkrampft sich das Herz mehr und mehr. Würden sie eine Augenzeugin laufen lassen? Oder würden sie meinen Bruder und meinen Vater vor die Wahl stellen, sich für eine Familie zu entscheiden?

Die toskanische Landschaft ist idyllisch doch ich nehme nichts von dieser Schönheit wahr. Ziellos fahre ich auf verlassenen, mit Zypressen gesäumten Landstraßen. Ich habe weder gegessen noch getrunken. Dementsprechend lässt meine Konzentration nach und ich kann die Straßenschilder nicht mehr lesen, die eindeutig zu schnell an mir vorbeirasen.

Auf dem sanften Hügel vor mir entdecke ich ein großes Haus und folge dem  Kieselweg, der mich direkt dorthin führt. Trotz langsamer Fahrt bildet sich eine weiße Staubwolke und bleibt wie eine Spur in der Luft zurück. Ich habe Glück, denn auf dem Weingut werden tatsächlich Zimmer vermietet. Ich schließe die Türe ab, schiebe eine Kommode davor und lasse das Licht ausgeschaltet. Da ich mich fürchte einzuschlafen, setzte ich mich auf einen Sessel und starre durch das Fenster. Wieder einmal denke  ich daran, eine Nummer anzuwählen, die ich seit Jahren in meinem  Telefon wie einen Grabstein mit mir herumschleppe. Ob er abheben würde? Ob er helfen könnte? Könnte sicher, aber ob er es auch wollen würde? Nach einem tiefen Atemzug nehme ich mein Smartphone aus meiner Jackentasche und wähle die Nummer, die ich mir geschworen habe, nie anzurufen. Schließlich meldet sich die mir allzu bekannte Stimme und ich warte kurz, zögere wie immer, bevor ich etwas sagen kann.

„Hallo. Ich bin´s. Ich brauche deine Hilfe.“

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Allgemein, Aus dem Tagebuch einer Liebenden

summer lovin´

Dieser Sommer hatte scheußlich begonnen. In den heißesten Monaten des Jahres, auch Sommerferien genannt, hatte eine Siebzehnjährige wirklich Besseres zu tun als ungeduldige Menschen zu bedienen und Tische zu putzen. Leider ließ sich mein Praktikum nicht länger aufschieben und auch ich musste Erfahrungen sammeln, um die bevorstehende Serviceprüfung am Ende des Jahres positiv abzuschließen. Mein Problem war es nur, dass ich fast alles an diesem Praktikum hasste: Die Arbeitszeit, die am späten Nachmittag anfing und bis Mitternacht dauerte; Die oberflächlichen und arroganten Kollegen, die ich jeden Tag ertragen musste und die teilweise noch schlimmeren Gäste, die überheblich und präpotent waren.

Eines Tages wurde eine Hochzeit im Restaurant gefeiert. Mehr als hundert weiße Rosen wurden geliefert und in große Vasen verteilt. Es gab live Musik und einen Grillmeister, der für gefüllte Teller sorgte. Der Bräutigam rief mich zu ihm und bestand darauf, dass ich wie eine Dienerin an seiner Seite stand und den Aschenbecher hielt, während er gemütlich seine Zigarette rauchte und sich mit seinen Freunden amüsiert unterhielt. Ohne einen Kommentar abzugeben ließ ich den Anzugträger stehen und ging hinaus zur Donau, wo ich für mich sein konnte. Genervt betrachtete ich den Mond, dessen Spiegelbild an der Wasseroberfläche tanzte. Ich überlegte, ob ich das gläserne Schälchen ins Wasser oder doch dem Bräutigam an den Kopf werfen sollte.

Als ich mich wieder beruhigt hatte, mischte ich mich unter die Gäste. Plötzlich erblickte ich den neuen Küchenpraktikanten, wie er den alten Grillmeister ablöse und statt ihm die Hähnchenspieße goldbraun wendete. Ohne nachzudenken stellte ich den Aschenbecher auf einen der Stehtische ab und ging zum Grillstand. Stefan, so hieß dieser äußerst sympathische und attraktive Typ, war über meine Gesellschaft erfreut. Wir unterhielten uns und meine schlechte Laune verschwand augenblicklich. Für einen Moment vergaß ich wo ich war. Ich sprach ihn auf seine Kochjacke an, denn die Knöpfte waren nicht rund und einfarbig, so wie ich es kannte, sondern hatten die Form von Lebensmitteln und Gebäck. Ich erkannte einen Croissant, einen Shrimp, eine Erdbeere, eine Zitrone… Unsere Unterhaltung fing bei seinen Knöpfen an und endete abrupt, als mir die oberste Kellnerin schmutzige Teller in die Hand drückte und mir mit ihrem strengen Blick zu verstehen gab, dass ich nicht für das Flirten bezahlt wurde.

Seit diesem Abend begann der Sommer erträglicher zu werden. Die Arbeit an sich hasste ich immer noch, nur ertrug ich alles viel leichter als am Anfang. Offene Getränke wurden auf Gäste ausgeschüttet, die Hauptspeisen aus den viel zu schweren und heißen Tellern landeten manchmal auf dem Boden und Saucen auf den teuren Jacketts der Businessmänner, doch nichts, absolut nichts konnte mein inneres Glück stören. Wegen Stefan schwebte ich auf Wolke Sieben und konnte an nichts anders mehr denken. Wir sahen uns jeden Tag, verbrachten unsere Pausen zusammen und nach jedem Treffen verliebte ich mich ein klein wenig mehr in ihn.

„Du siehst so anders aus“, kommentierte meine Chefin, während ich hinter der Bar aushalf.

„Ja, stimmt, etwas ist anders an ihr“, bemerkte auch der Barkeeper, der mich vom Kopf bis zum Fuß beäugte.

„Vielleicht sind es die Augenbrauen? Oder Rouge, hast du Rouge auf den Wangen?“, fragte die strenge Kellnerin in einem sanften Ton, was unheimlich wirkte.

„Nein, nichts davon“, war meine Antwort. Ich hatte wirklich nur Wimperntusche und ein wenig Lipgloss aufgetragen, was ich seit meinem ersten Tag schon trug aber bisher keiner bemerkt hatte.

„Komisch. Ich sehe doch, dass etwas anders ist“, wollte die Chefin nicht locker lassen. Mir wurde es langsam unangenehm, wie ein Tier im Zoo betrachtet und kommentiert zu werden.

„Geh schnell die Kerze beim Eingang anzünden!“, befahl die Kellnerin plötzlich, „Ich hatte es völlig vergessen! Die ersten Gäste sollten gleich kommen!“ Ein weiteres Event stand an, das jede Minute beginnen sollte. Natürlich ließ ich alles stehen und eilte zum Empfang, der an diesem Abend aber nicht benutzt wurde, denn die Veranstaltung war hauptsächlich auf der Terrasse und die Gäste kamen mit Booten über die Donau an.

„He! Was machst du da?“, fragte mich Stefan, der mit seiner Sporttasche hinter mir stand und mich angrinste. Ich spürte die plötzliche Wärme, die meine Wangen rot färbte. Von wegen Rouge. Ich war verliebt.

„Ich muss die Kerze anzünden, aber meine Streichhölzer…“, erklärte ich und tastete unter meiner schwarzen Schürze die Hostentaschen ab.

Kommentarlos händige er mir sein Zippo-Feuerzeug. Hastig griff ich danach und zum ersten Mal berührten sich unsere Hände. Plötzlich stand die Welt still! Sein fesselnder Blick hypnotisierte mich und ich konnte sehen, dass auch er es spürte, dieses magische Etwas, das zwischen uns entstand und ich es mir nicht erklären konnte. Ich war siebzehn und dachte die Menschheit und die Welt bis irgendwohin zu verstehen. Aber das,  was mir passierte, traf mich völlig unerwartet und unvorbereitet.

„Hörst du mir eigentlich zu?“, fragte Stefan und holte mich aus meiner Trance zurück. Anscheinend hatte er mir etwas erzählt, doch ich hörte nicht zu. Alles was ich sah waren seine leuchtend blauen Augen, die wegen seinem gebräunten Gesicht noch heller wirkten. Auf seinem linken Ohrläppchen trug er einen Diamantenohrring, der ab und zu funkelte und von seinem Lächeln ablenkte. Mir war aufgefallen, dass er unter seinem T-Shirt eine silberne Kette trug, aber  dass er mit mir sprach merkte ich nicht.

„Doch,  doch!“, log ich und tat so, als ob ich ihn gehört hätte. Ich wollte nicht, dass er mich für verrückt hielt und drehte mich schnell um, um die Kerze endlich anzuzünden. Anschließend übergab ich das Feuerzeug seinem rechtmäßigen Besitzer zurück. Dieses Mal war ich vorsichtiger und legte es langsam in seine Hand.

„Dann bis morgen“, verabschiedete er sich grinsend und ging. Da er kurze Hosen trug sah ich, dass seine rechte Wade mit drei chinesischen Zeichen tätowiert war. Was sie wohl bedeuteten?

„Bis morgen“, wiederholte ich seufzend.

„Die ersten Gäste sind schon da!“, schrie mich plötzlich die Kellnerin an und ich fuhr erschrocken zusammen. „Worauf wartest du? Los, los, los!“, piepste sie hektisch und drückte mir das Tablett mit Sektgläsern in die Hand.

Ich ließ die Kerze brennen und grinste beim Gedanken daran, dass  ich das Feuer mit seinem Feuerzug entzündet hatte. Was für ein verrückter Sommer! Ich hätte nie gedacht, dass so ein schrecklicher Anfang ein so süßes Ende haben könnte.

summer lovin´

Allgemein, Aus dem Tagebuch einer Liebenden

Bargespräche

 

An diesem Nachmittag hatte ich einen Streit mit meiner Frau. Eigentlich hasse ich es, wenn wir uns streiten. Aber nach über dreißig Jahren Ehe weiß ich auch, dass Meinungsverschiedenheiten dazugehören und dass sie mich mit ihrer Sturheit zur Weißglut treiben kann. Also beschließe ich ganz allein ins Kabarett zu gehen. Doch nicht die darstellende Kunst half mir zu erkennen, was für ein Glückspilz ich eigentlich war, sondern das Gespräch mit einer jungen Frau, die glatt meine Tochter sein könnte.

Nach der Vorstellung beschloss ich in die Bar nebenan zu gehen und mir einen Drink zu gönnen. Auf den ersten Blick war ich fasziniert von den kleinen aber gemütlichen Räumlichkeiten, die fast heimelig wirkten. Natürlich war das Licht gedimmt und bunte Scheinwerfer erhellten die noch leere Tanzfläche. Der Geruch vom alten Holz und Zigarren schwebte in der Luft und auch die roten Samtwände verströmten einen eigenen, nicht unangenehmen aber recht spezifischen Duft. Der große, mit Diamanten besetzte Lüster pendelte hin und her. Ich versuchte mich, so unauffällig es ging, an die Theke zu setzen. Obwohl ich finde, dass ich  für mein Alter  gar nicht so übel  aussehe, fühlte ich mich fehl am Platz. Die cremefarbene Hose mit Bügelfalte und mein hellblaues Hemd – ich weiß, eine Kombination, die nach Senioren und Altersheim schreit – erlaubten mir nicht, unauffällig meinen Whiskey zu genießen. Etwas nervös   trank ich mein Getränk und beobachtete die anderen Gäste um mich herum,  die zur Musik aus den 50er Jahren tanzten. Ich erinnerte mich an meine Jugend und  musste wie verrückt grinsen. Es war die beste Zeit meines Lebens. Die Zeit, in der ich meine Frau kennengelernt habe und es nie bereut habe. Nicht einmal nach unserem Streit.

Und dann, als ich die jungen Menschen lange genug beobachtet hatte, fiel mir auf,  dass keiner von ihnen wirklich glücklich war. Sie lachten ohne Funken in den Augen, sie tanzten energielos und sprachen ohne jegliche Begeisterung. Hinter diesen lächelnden Masken versteckten sich arme, traurige Gesichter, die die anderen oder womöglich auch sich selbst vom Gegenteil überzeugen wollten. „Was war mit der heutigen Jugend nur los?“, fragte ich mich. Diese fast zombiehafte Stimmung erschrak mich mehr als die dramatischen Schlagzeilen in den Zeitungen.

In diesem Augenblick kam ein junges Fräulein an die Bar, um sich einen Cocktail zu bestellen. Sie war mir aufgefallen, weil sie den melancholischen Blick in ihren Augen nicht verstecken konnte. Ohne viel zu überlegen, sprach ich sie an.

„Entschuldige bitte“, versuchte ich höflich ein Gespräch anzufangen. Ich wollte nicht den falschen Eindruck erwecken, aber sie lächelte entspannt und blickte mich mit einem respektvollen und höflichen Blick an, den man für gewöhnlich älteren Personen entgegenbringt. „Dürfte ich Sie etwas fragen?“ Zu meiner Überraschung nickte sie und nahm ihren Cocktail in die Hand. Neugierig starrte sie mich an.

„Sie scheinen mir wie jemand, der lieber woanders wäre als hier. Woran liegt das?“

Fast etwas verschämt blickte sie zu Boden und überlegte kurz, ob sie auf meine Frage antworten sollte. Dann sprach sie: „Das liegt daran, dass ich tatsächlich lieber zu Hause wäre, um in aller Ruhe mein Buch zu lesen.“

„Gefällt es Ihnen denn nicht hier?“ Ich wollte unbedingt wissen, was in ihr vorging.

„Doch, doch! Die Location ist super, die Musik ist fabelhaft und die Getränke sind gut gemixt. Ich bin mit meinen Freunden hier und es ist eigentlich ein toller Abend.“

„Eigentlich…“, hob ich hervor. Ich spürte, dass da noch mehr war, was sie mir nicht  sagen wollte. Doch durch den Alkohol beeinflusst, sprach sie weiter.

„Waren sie jemals verliebt? Ich meine, so richtig, ohne jegliche Begründung und ohne nachzuvollziehen, warum ausgerechnet diese eine Person, und nur diese eine Person, sie glücklich machen kann?“

Sofort nickte ich. „Ja. Ich habe sie vor fast vierzig Jahren geheiratet.“

Sie lächelte. „Das freut mich für Sie, wirklich.“

Ich wartete in der Hoffnung, dass sie weiter erzählte. Ihre Augen glänzten.

„Wissen Sie, ich habe so jemanden verloren, wahrscheinlich für immer. In meinem Herzen hat er ein Loch hinterlassen und egal wohin ich gehe, die Leere folgt mir wie ein Schatten. Und jeder hier, inklusive meinen Freunden da drüben“, sagte sie und deutete auf ein Grüppchen auf der Tanzfläche, „jeder von ihnen versucht seine eigene Leere auf dieselbe Weise zu füllen: Mit lauter Musik, Alkohol, vielleicht neuen Bekanntschaften für eine Nacht… Aber am Ende sind wir alle einsamer als wir es zugeben wollen.“

Ihre Offenheit und Ehrlichkeit überraschte und erschrak mich zugleich. Warum war ich mit meinen sechzig Jahren, mit einem Bandscheibenvorfall und meinem schlechten Gehör so viel glücklicher als diese jungen Menschen, die noch so viel vor sich hatten? Herr im Himmel, sie hatten doch alles: Schönheit, Gesundheit, die neuersten Telefone, die modernsten Kleidungsstücke, die schnellsten Autos und konnten um die Welt reisen!

„Einen schönen Abend noch“, sagte das junge Mädchen und ging zu ihren Freunden. Nachdenklich blickte ich ihr hinterher. Sie hatten alles, aber ihnen fehlte das Wichtigste, sozusagen die Essenz des Lebens: Die Liebe, sie war der Schlüssel zum Glück.

Ich ließ mein Getränk stehen und eilte nach Hause. Ich hatte unseren Streit völlig vergessen und freute mich auf die Umarmung meiner Frau, die mir die ganze Welt bedeutete.

Ich habe mein Glück gefunden und hoffe, dass diese jungen Menschen es eines Tages auch finden.

 

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