Herz Geflüster

Zeilen zwischen Herz, Alltag & Glaube

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren“
– Philipper 4,7

Tagträumerin & Königstochter

Leben im Alltagschaos

  • Am ersten Sonntag des Jahres kam ich morgens in die Gemeinde und wurde herzlich begrüßt. Der Begrüßungsdienst hielt einen Korb in den Händen. Darin lagen Karten, jede mit einem Bild und einem Bibelvers – eine persönliche Jahreslosung für jeden, der eine ziehen wollte. Mich lachte direkt ein Bild an, auf dem Buntstifte zu sehen waren. Dann jedoch: „Schau, ein Fuchs.“ Ich hörte die Stimme ganz klar, aber der Begrüßungsdienst sagte, er hätte nichts gesagt und es stand auch sonst niemand um mich herum. Naja, jedenfalls ließ ich mich davon beeinflussen und zog die Karte mit dem Fuchs.

    Philipper 4,7:
    Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.

    „Was für eine Zusage!“, dachte ich mir. „2025 wird mein Jahr!“

    Und dann kam alles ganz anders.
    Streit und Auseinandersetzungen folgten, und ich flog innerhalb von zwei Monaten dreimal von Zuhause raus. Im Mai zog ich die Reißleine, zog endgültig aus und lebte dann ganz plötzlich allein. Der Tag meines Auszugs hat sich in mein Hirn gebrannt. Ich hatte Tränen erwartet, doch ich weinte nicht. Keine Träne. Heute weiß ich, dass ich einfach nicht weinen konnte, weil in mir alles so zerbrochen war. Aber damals war ich einfach erleichtert, dass alles so problemlos über die Bühne ging.

    Abends hatten wir Jugendgottesdienst. Ich war nur mit halbem Herzen dabei, denn wie konnte ich meinen Gott loben, wenn ich tief drinnen zerbrochen war? Doch Gott ließ mich nicht allein. Er sprach direkt zu mir: Nach dem Gottesdienst ging der Moderator auf die Bühne, um uns den Segen zuzusprechen. Und als er zu sprechen begann, da glaubte ich meinen Ohren kaum:

    „… und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus …“

    Ich drehte mich zu meiner besten Freundin, die neben mir stand, und Tränen stiegen mir in die Augen.
    „Philipper 4,7“, flüsterte ich und sie nickte. Sie wusste und weiß, was mir dieser Vers bedeutet.

    Damit war die erste Hälfte des Jahres beinahe schon vorbei. Der Sommer kam – und mit ihm eine emotionale Reise, die ich so nicht hatte kommen sehen. Die ersten Tage und Wochen in meinen eigenen vier Wänden fühlten sich gleichzeitig befreiend und überfordernd an. Nebenher lief meine Ausbildung, die mich ziemlich forderte und mir nur wenig Raum ließ, mich zu sortieren.
    In dieser Zeit war ich vor allem meiner besten Freundin dankbar. Sie hat mich im Frühjahr aufgefangen, aufgenommen, getragen... und ließ mich auch in den Monaten danach nicht los. Sie war da, durch Höhen und Tiefen, durch all die kleinen und großen Abstürze, die kein Mensch sieht, wenn man im Außen lächelt. Denn das tat ich: Das innere Chaos weglächeln.
    Meine Wochenenden waren voll: Unternehmungen, Menschen, Ablenkung. Es tat gut. Und dennoch war es eine Art Flucht. Solange ich beschäftigt war, musste ich mich nicht mit meinem zerbrochenen Inneren auseinandersetzen. Und wenn ich ehrlich bin: Bis heute fällt mir das schwer.

    Ende Mai besichtigte ich mit einer anderen engen Freundin die Wohnung, die wir nach einigen Renovierungsarbeiten im September gemeinsam bezogen. Gleichzeitig fühlte ich mich in meiner Gemeinde immer mehr zuhause. Ich lernte neue Menschen kennen, wagte mich in ein Lobpreisteam, fühlte mich gesehen und gehalten. Auch, weil einzelne Menschen meine Tiefphasen mittrugen und mich bei meinen Umzügen unterstützten.
    Ab Herbst ging es mir äußerlich und innerlich besser. Der Abstand zu meiner Familie tat unserer Beziehung ebenfalls gut. Plötzlich konnten wir miteinander umgehen, ohne uns (unabsichtlich) zu verletzen.

    Und dann kam der Spätherbst.
    Und mit ihm ein Mensch, der bis dahin eher am Rand meines Alltags existiert hatte. Er stolperte in mein Leben und stellte meine Welt auf den Kopf. Wir kannten uns, ja. Über die Gemeinde, über gemeinsame Projekte und Unternehmungen als Jugendgruppe. Aber mehr als gelegentliche Gespräche und ein durch äußere Umstände gegebenes Nebeneinander war da nicht.

    Im Sommer, mitten im Umzugschaos und den Renovierungsarbeiten, näherten wir uns etwas an und entwickelten eine leichte, fast widersprüchliche, rein platonische Freundschaft mit eingebauten Stacheln. Wir mochten uns irgendwie… und gleichzeitig auch nicht. Es war kompliziert, bevor es überhaupt etwas war.

    Doch Mitte Oktober veränderte sich etwas. Erst kaum merklich, dann mit einer Klarheit, die uns beide erschreckte. Zwei Wochen später standen wir da, mittendrin in dem Chaos, das sich in und um uns ausgebreitet hatte – und waren plötzlich ein Paar.
    2025 hat mir vor allem eines gezeigt:
    Gott offenbart sich in den alltäglichsten Kleinigkeiten und in den unvorhersehbarsten Momenten.
    Er geht mit mir durch Dick und Dünn, durch Höhen und Tiefen, und ich kann nie tiefer fallen als in seine Hand. Sein Plan ist größer als alles, was ich mir vorstellen könnte, und er überrascht mich immer wieder. Oft gerade dann, wenn ich es am wenigsten erwarte.
    Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, was 2025 alles mit sich bringen würde: dass ich ausziehe, dass ich meinen eigenen Weg gehe und dass ich eine Beziehung eingehe... ich hätte dieser Person vermutlich den Vogel gezeigt. Zu weit weg, zu unrealistisch, zu absurd erschien mir das damals. Und doch hatte Gott all diese Wege längst gesehen, lange bevor ich überhaupt den ersten Schritt wagte.
    Und nun darf ich dieses Jahr beenden mit einem vollen Herzen, mit einem Blick in eine Zukunft, die nicht leer, sondern gefüllt vor mir liegt.
    Ich starte an der Hand meines himmlischen Vaters in ein neues Jahr.
    365 unbeschriebene Seiten, bereit für alles, was er hineinschreiben möchte.
    Und ich kann es kaum erwarten zu sehen, womit er sie füllen wird.

  • Manchmal fühlt sich mein Kopf so voll an. Nicht, weil ich superviel lernen muss und keine Infos mehr speichern könnte. Sondern weil ein dichter Nebel meinen Kopf füllt und keinen Raum mehr lässt für frische Luft.

    Manchmal fühle ich mich so allein. Nicht, weil ich allein bin und keine Menschen habe, die für mich da sind. Sondern einfach weil ich manchmal denke, ich bin eine Belastung. Und manchmal, nur ganz manchmal, habe ich das Gefühl übergangen zu werden. Weil Leute, Freunde, nicht erkennen, wie es tief in mir wirklich aussieht. Weil die Maske zu real ist. Weil ich die Rolle zu gut spiele.

    Manchmal fühle ich mich schlecht, weil ich denke, dass ich kein Recht darauf hätte, diese Dinge zu fühlen und mich deswegen nicht traue es laut auszusprechen oder mich jemandem anzuvertrauen. Nicht, weil ich denke ich bilde es mir ein. Sondern einfach weil es anderen Menschen auf der Welt – und in meinem Umfeld – noch schlechter geht und ich so dankbar sein sollte, dass es mir vergleichsweise gut geht.

    Manchmal fühle ich mich so schwach, weil ich denke ich kann das alles nicht mehr. Nicht, weil ich nicht um Hilfe und Rat bitten könnte. Sondern weil ich nie gelernt habe, um Hilfe zu bitten. Weil ich immer die Starke war, auf die alle sich verlassen können.

    Manchmal fühle ich mich so, als ob meine Abwesenheit nicht auffallen würde, als könne ich einfach fortbleiben und ich würde keinem fehlen. Nicht weil ich keine Freunde haben, die gern Zeit mit mir verbringen. Sondern einfach, weil ich so oft erlebt habe, wie Freundschaften zerbrochen sind und ich irgendwann nicht mehr wichtig genug war, als dass man sich für mich interessierte.

    Manchmal fühle ich mich taub. So kalt gegenüber allen sozialen Interaktionen. Nicht, weil ich ein asozialer Mensch bin und keine Empathie empfinde. Sondern einfach weil ich so müde bin vom Leben und alles in mich hineinfresse und mein Herz dann so wehtut dass es eine Pause braucht.

    Manchmal denke ich, ich habe das Weinen verlernt. Manchmal ist sogar Lächeln anstrengend. Manchmal möchte ich mich einfach unter meiner Bettdecke verkriechen und nicht wieder hervorkommen.

    Manchmal bin ich emotional so erschöpft vom Leben, dass ich am liebsten Pause drücken möchte. Nicht, weil ich nicht auch Zeiten habe, in denen ich auftanken kann. Sondern einfach, weil ich nicht gelernt habe meine Schwäche zuzulassen und deswegen immer weiter mache, auch wenn mein Herz längst „Stop!“ schreit.

    „Stop! Mach mal ne Pause!“ Doch ich renne weiter durchs Leben, stecke den Schmerz und die Wut und die Angst und all die Verletzungen in eine Tasche, die ich tief unter all den Schichten Lebensfreude, Lachen und guter Laune verstecke. So bin ich. Lebensfroh und voller Energie. Positiv, laut, lustig. So kennen mich alle, so will ich sein. Aber was mache ich mit der Negativität, die durch die Risse hervorsickert und meine positive Art langsam verdunkelt?

    Manchmal denke ich, ich bin allein. Doch dann erinnere ich mich: Ich bin es nicht. Jesus geht an meiner Seite – gestern, heute und für alle Zeit.
    Wenn ich zurückblicke und nur eine Fußspur im Sand sehe, dann ist das, weil er mich festgehalten hat, als ich drohte zu fallen, und mich durch die schweren Zeiten getragen hat.

    Wenn nachts stumm die Tränen über meine Wangen laufen, dann darf ich wissen, dass er sie sieht und sie trocknen wird.
    Wenn ich nicht weiß, wohin mit all meinen Gefühlen, darf ich wissen, dass ich sie bei ihm ablegen darf.
    Wenn ich nicht weiß, wie ich auf Pause drücken soll, darf ich wissen, dass ich bei ihm zur Ruhe kommen kann und dass er mir seinen Frieden schenken will.

    Kein Leid ist ihm zu groß oder zu klein. Er kennt meinen Schmerz. Er sieht hinter die Maske, durch jede Rolle hindurch – und liebt mich trotzdem.

  • „A lot can happen in three days.“ Und eine Menge kann passieren in vier Monaten.
    Gott ist nichts unmöglich… ein Satz, den man so leicht sagt, aber erst begreift, wenn man ihn erlebt. Genau das durfte ich im letzten halben Jahr erfahren. Gott hat mich geführt – auf einem Weg, der alles andere als gerade war. Voller Hindernisse, Stolpersteine und doch auch kleiner Wunder.

    Aber fangen wir von vorn an …

    Wie ich schon in meinem Vorstellungspost erwähnt habe, ist die Beziehung zu meinen Eltern schwierig und oft von Auseinandersetzungen geprägt. Anfang 2025 kam es so weit, dass ich dreimal von Zuhause rausgeflogen bin, jedes Mal für etwa eine Woche. In dieser Zeit wohnte ich bei meiner besten Freundin.
    Schon vorher war mir klar: Spätestens nach der Ausbildung muss – und will – ich ausziehen. So sehr ich meine Familie liebe, das Leben auf einem Minenfeld tut keinem von uns gut.

    Als ich im Mai zum dritten Mal rausflog, war ich völlig am Ende. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Nicht einmal meine beste Freundin konnte mir helfen. Und ich fragte mich, ob Gott mich vergessen hatte, zweifelte alles an.

    Doch Gott schrieb meine Geschichte weiter. Ende 2024 hatte ich mit einer guten Freundin beim Schlittschuhlaufen ein ehrliches, tiefes Gespräch gehabt. Aus einer Schnapsidee wurde dann im Frühjahr während dieser Tiefphase ein fester Plan: Wir wollten aus- und zusammenziehen.

    Wir begannen mit der Wohnungssuche, zuerst mittig zwischen unseren Wohnorten, etwa eine Stunde entfernt. Drei Zimmer, gute Verkehrsanbindung, ein Kellerraum zum Lagern und am liebsten ein Balkon oder Garten… vor allem aber ein Ort, an dem wir uns zuhause fühlen könnten.

    Am 10. Mai zog ich aus – vorübergehend in ein Zimmer im Haus der Tante meiner besten Freundin. Zwei Tage später, am 12. Mai, hatten meine Freundin und ich unsere erste Wohnungsbesichtigung. Danach war uns klar: Wir wollen näher an meiner Gemeinde und in der Nähe ihres Freundes suchen.

    Am 16. Mai sprachen wir mit den Eltern ihres Freundes: Menschen, die uns beide unabhängig voneinander kannten und denen wir vertrauten. Wir baten sie um Rat und, falls nötig, um Unterstützung. Unsere eigenen Eltern wollten oder konnten wir zu dem Zeitpunkt nicht um Hilfe bitten.

    Am 24. Mai hatten wir unsere zweite Wohnungsbesichtigung. Die Wohnung lag nicht nur zentral zur Innenstadt, Bahnstation und Gemeinde lag, sondern gehörte obendrauf einem Ehepaar aus meiner Gemeine, hatte einen Garten, Balkon und Kellerraum. Am 25. Mai sagten wir Ja zur Wohnung und konnten unser Glück kaum fassen. Doch es war noch viel zu tun: Renovierung der Wohnung, Umzug planen und durchführen, … aber wir waren bereit zu investieren und unsere Zukunft zu gestalten.

    Von da an begann der Baustellen-Sommer: Renovieren, Planen, Organisieren. Zwischendurch zweifelte ich, ob wir es schaffen würden, rechtzeitig einzuziehen. Doch Gott blieb treu. Pünktlich zum 1. September standen unsere Möbel in der Wohnung und wir waren angekommen. Emotionale Wracks , aber dankbar und voller Staunen über diesen guten Gott, der uns so klar geführt hat.

    Dankbar bin ich vor allem für die Menschen, die uns unterstützt und getragen haben: Freunde, Bekannte, unsere Eltern (ja, auch unsere Eltern waren schließlich mit dabei) und all jene, die für uns gebetet haben. Ich durfte erfahren, dass Gott trägt, auch wenn alles zusammenbricht. Dass er Türen öffnet, wenn ich keinen Ausweg sehe. Und dass er selbst im Streit und Schmerz den Weg bereitet.

    „A lot can happen in three days.“ Jesus hat in drei Tagen den Tod besiegt. Und in vier Monaten kann Gott (m)ein ganzes Leben verändern.

  • Wie ich schon in meinem Vorstellungspost erwähnt habe, komme ich aus einem atheistischen Elternhaus. Wobei das nicht ganz richtig ist. Würde man meine Mutter und/oder meinen Vater fragen, ob es einen Gott gibt, dann würden sie diese Frage mit einem Ja beantworten. Erst wenn man dann weiterbohrt, wird klar, dass sie zwar an Gott und ein Leben nach dem Tod glauben, nicht jedoch an Jesus und daran, dass er eine Beziehung mit uns will und für unsere Sünden gestorben ist.
    Ich weiß nicht, ob sie die Botschaft einfach nie so richtig gehört haben oder ob sie sie nicht annehmen wollen, aber es schmerzt mich zu wissen, dass mein Glaube – eines der wichtigsten Themen in meinem Leben – nicht zu den Dingen gehört, die mich mit meinen Eltern verbinden. Eher im Gegenteil.
    Mein Weg zum Glauben, mein Leben im Glauben, aber vor allem die Veränderung, die ich durchlaufen habe – und immer noch durchlaufe – war und ist immer wieder (Streit-)Thema in unserer Beziehung.
    Meine beste Freundin hat es einmal – in einer ganz schlimmen Phase – Verfolgung genannt. Damals wollte ich es abstreiten, doch konnte nicht. Denn wie definiert man Verfolgung? Im Internet heißt es: „Schikane von Menschen, die eine andere, zum Beispiel politische oder religiöse, Auffassung oder Lebensweise haben.“ Und das trifft zu. Wie oft war mein Glaube und die Veränderung, die er in mir bewirkt hat, Thema in einem Streit mit meiner Mutter? Wie oft hat sie mir deswegen gemeine Dinge an den Kopf geworfen? Versteht mich nicht falsch: Ich habe gelernt, meiner Mutter zu verzeihen – und habe ihr verziehen. Manchmal tut es trotzdem noch weh.

    Kindheit

    Hätte man mich vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren gefragt, ob ich an Gott glaube, hätte ich das bejaht. Hätte man gefragt, ob ich mein Leben mit Jesus lebe, hätte ich vermutlich geschwiegen.
    Schon als Kind war ich neugierig. Meine Mutter meint, das habe wohl auch der evangelische Kindergarten geprägt, aber ich kann mich nicht daran erinnern – zumindest nicht an Tischgebete oder christlichen Input. Ich hatte ein Arche-Noah-Puzzle, ein Stapelspiel und irgendwann eine illustrierte Kinderbibel, die ich total gern gelesen habe. Wenn ich heute zurückblicke, war zwar die Neugier geweckt, aber verstanden habe ich es nie. Es waren einfach schöne Geschichten.

    Einige Zeit war ich dann in der Jungschar, aber auch da waren es hauptsächlich schöne Geschichten. In die Kirche ging ich nur zu Weihnachten; an reguläre Gottesdienste kann ich mich nicht erinnern. Im Religionsunterricht war ich interessiert und wusste dank meiner Kinderbibel schon einiges über die biblischen Geschichten.
    Mit neun wurde ich getauft – entschieden habe ich mich damals nicht bewusst dafür. Es war einfach „ein Schritt, den man eben macht“. Ich glaubte ja an Gott.

    Jugend

    Als wir umgezogen sind und ich eine neue Freundin fand, nahm sie mich irgendwann mit in die Kinderkirche. Ich war interessiert und neugierig, machte aber nie diesen entscheidenden Schritt zu Jesus. Mit 13 ließ ich mich konfirmieren. Im Konfi-Unterricht sah ich mich als eine der wenigen wirklich Gläubigen – also fiel es mir leicht, vor der Gemeinde „Ja“ zu sagen. Danach verlor ich jedoch die Lust an der Kirche, weil unser Pfarrer uns zum Gottesdienst zwang. Und aus Zwang mache ich grundsätzlich nichts gern.

    Je älter ich wurde, desto schwieriger wurde die Beziehung zu meinen Eltern. Wir gerieten oft und stark aneinander. Mit etwa fünfzehn war ich an einem Punkt, an dem ich so niedergeschlagen war, dass ich Suizidgedanken entwickelte. Ich sah keinen Sinn mehr in dem Leben, das ich lebte. Versucht habe ich es nie, aber die Gedanken waren da.
    Ich erinnere mich genau an einen Abend, an dem ich heulend und innerlich völlig zerbrochen auf meinem Bett saß und mir wünschte, dass mein Leben endet. Ich begann zu beten, zu flehen – zu einem Gott, von dem ich hoffte, dass er real war, dass er mich liebte und mich aus einem Grund erschaffen hatte. Dann machte ich ein Versprechen – an Gott und an mich selbst. Ich versprach, dass ich nicht aufgeben würde, bis ich mir meinen größten Traum erfüllt hätte: eine eigene Familie. In diesem Versprechen schwang die Hoffnung mit, dass ich, sobald ich das hätte, endlich glücklich wäre.

    Die Beziehung zu meinen Eltern blieb eine Achterbahnfahrt – mit Hochs und Tiefs. Ich lief dreimal von Zuhause weg. Zweimal wurde ich zurückgeholt, einmal schaffte ich es bis zu meinem Opa, drei Stunden entfernt. Abends musste ich mein Handy abgeben, Nachrichten und Apps wurden manchmal kontrolliert. Ich verheimlichte Noten, versteckte Süßigkeiten, schmiss mein Pausenbrot weg. Ich war kein einfacher Teenager, und die Schuld an unserer schwierigen Beziehung lag nicht nur bei meinen Eltern. Ich hoffte einfach, dass alles besser würde, sobald ich achtzehn wäre.

    Erste Berührungspunkte

    Mit vierzehn wurde ich auf dem Straßenfest unseres Dorfes zu einem Jungscharcamp eingeladen. Meine Mutter meldete mich gemeinsam mit meinem Bruder an. Mit fünfzehn war ich wieder dabei. Dann kam Corona. Mit achtzehn, fast neunzehn, war ich schließlich Mitarbeiterin auf dem Camp. In demselben Sommer besuchte ich einen Freund, den ich durch das Camp und den Teenkreis kennengelernt hatte. Sowohl das Camp als auch der Teenkreis wurden von einer freikirchlichen Gemeinde organisiert. Dort fühlte ich mich viel wohler als in der „normalen“ Kirche. Die Gottesdienste waren freier, lebendiger, persönlicher. Während Corona kam ich nicht, aber die Neugier war geweckt.

    Ausbildung

    Ich bestand mein Abitur und begann mein FSJ im Kindergarten. Das tat der Beziehung zu meinen Eltern gut, doch durch das Pendeln entstanden neue Konflikte. Meine Mutter machte mir Druck, endlich zu wissen, „was aus mir werden soll“. Schließlich entschied ich mich für die Ausbildung zur Erzieherin – und bin bis heute zufrieden damit.

    Mit neunzehn wurde vieles besser. Ich hatte mehr Freiheiten, keine Handyabgabe mehr. Nur Freunde hatte ich kaum. Im Mai verlor ich durch einen Streit meine damalige beste Freundin. Ich saß heulend im Auto – der seelische Schmerz war fast körperlich. Außerdem hatte ich einen Großteil meiner Jugend mit Corona verbracht und daher überhaupt keinen Bezug zum Ausgehen. Ein Abend mit einem guten Buch war mir lieber als jede Party. Ich war neugierig auf das Leben, aber hatte einfach keine Menschen, mit denen ich es teilen konnte.

    Neuanfang und Entscheidung

    Mit zwanzig begann ich meine Ausbildung. Zu diesem Zeitpunkt nahm mich meine heutige beste Freundin regelmäßig mit zu Jugendgottesdiensten und anderen Veranstaltungen. Wir hatten schon zu Schulzeiten festgestellt, dass wir in dieselbe Gemeinde gingen – nur an unterschiedlichen Orten. Ich lernte viele Jugendliche und junge Erwachsene kennen, die ihr Leben aktiv mit Jesus lebten. Zum ersten Mal sah ich junge Menschen, die Spaß hatten – ganz ohne Alkohol, ohne Party. Ich wusste, dass meine Freundin durch ihren Glauben aufblühte. Und ich wollte das auch: Gemeinschaft, Freude, Sinn. Ich verspürte eine Sehnsucht, konnte sie aber nicht erklären. Eigentlich fand ich viele christliche Regeln doof – kein Sex vor der Ehe, das Verurteilen von LGBTQ+ und andere Dinge. Dennoch merkte ich, wie ich mich danach sehnte, dazuzugehören.

    Im November fand ein Fest unserer Berufsschule statt. Danach zogen einige von uns in eine Bar weiter. Wir tranken, tanzten, lachten. Ich ging nicht zu mir nach Hause, sondern begleitete einen Klassenkameraden – und am Ende führte eines zum anderen. Am nächsten Tag kassierte ich einen Korb: Es sei eine „einmalige Sache“ gewesen. Ich war verletzt, verwirrt und konnte mit niemandem darüber reden.

    Ein Monat verging, dann stand der nächste Jugendgottesdienst an. Danach sprach ich endlich mit meiner besten Freundin. Ich hatte Angst vor ihrer Reaktion – doch sie reagierte mit Verständnis und Liebe. „Jesus liebt dich trotzdem, Lena.“

    Und ich glaube, in dieser Zeit – nach diesem Erlebnis und diesem Gespräch – wurde mir klar, dass ich an einem Scheideweg stand. Ich hatte genug gehört und erlebt, um zu wissen: Gott will Beziehung mit mir.

    All in – mein Ja zu Jesus

    Die endgültige Entscheidung fiel irgendwann zwischen Pfingsten und Sommer. Über Pfingsten war ich mit meiner besten Freundin auf dem Pfingstjugendtreffen (PJT), einem christlichen Festival mit dutzenden Angeboten. Ich war überwältigt. Besonders ein Lied berührte mich tief: Es sprach davon, mutig Schritte im Glauben zu gehen, auch wenn man nicht sieht, wohin sie führen.

    “…If faith requires actions / Even if it’s blind, I’m going / To every question / You are what I believe / So wherever You’re going, God, that’s where I wanna be / You dare me to move where I can’t see / Ready to do what used to scare me / Faith is a step into eternity / If you want Him, say you’re all in…”

    Im Juli war dann ein Jugendwochenende unseres Verbunds: Alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den Gemeinden kamen zusammen. Die Predigten waren gut, lebendig, echt.
    Bis Sonntag. Irgendetwas in der Session, in der Predigt, ging mir so tief unter die Haut, dass ich beim anschließenden Worship mit Tränen in den Augen aufstand und das Zelt verließ. Draußen suchte ich mir eine Bank, setzte mich, versuchte mich zu beruhigen. In meinem Kopf war nur Chaos.
    Will ich das wirklich – von Gott angenommen werden? Ja! …aber zu welchem Preis?
    Eine Ehrenamtliche kam zu mir, setzte sich neben mich. „Möchtest du reden?“, fragte sie sanft. Ich schüttelte den Kopf. Also blieb sie einfach sitzen. Schweigend. Nicht zu nah, nicht zu weit weg. Drinnen sangen die anderen weiter Lobpreis. Ich hörte die Musik, fühlte die Nähe, war irgendwie abwesend – und doch ganz da.

    Und irgendwo zwischen PJT, diesem Wochenende und den Wochen danach traf ich meine Entscheidung: Ja zu Jesus. Mit allem, was dazugehört.

    Im Sommer lernte ich eine junge Frau kennen, die ich heute ebenfalls als eine meiner besten Freundinnen ansehe. Sie nahm mich mit in ihre Gemeinde, und ich fühlte mich sofort wohl. Ab Herbst ging ich regelmäßig in ihren Jugendkreis, trat dem Jugend-Veranstaltungsteam bei und wurde Teil der Gemeinschaft.

    Heute

    Heute ist diese Gemeinde meine Gemeinde. Ich bin Teil des Musikteams und des Jugend-Veranstaltungsteams, habe Freunde gefunden und fühle mich angenommen wie nie zuvor.
    Ich bin angekommen. Und glücklich.

    Auch jetzt stolpere ich manchmal über meine Zweifel, aber ich weiß, dass Jesus mich auffängt. Ich bin dankbar, dass er mich nicht nur liebt, sondern ganz aktiv die Hand nach mir ausgestreckt hat – und ich jetzt mein Leben ganz bewusst mit ihm leben darf.

  • Hi und Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Es freut mich, dass du hergefunden hast ☺️

    Über mich und diesen Blog
    Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Lena, ich bin 22 Jahre alt und ich schreibe seit ich… nunja, schreiben kann. Schon als Kind habe ich mir am liebsten Geschichten ausgedacht. Mein größter Traum ist es, eines Tages Bücher zu veröffentlichen. Bis es soweit ist muss aber noch einiges passieren. An Ideen mangelt es mir definitiv nicht, aber diese Ideen dann auf Papier zu bringen entpuppt sich oft schwerer als gedacht. Mein Perfektionismus hilft da wohl auch nicht gerade.
    Mit 17 habe ich schon einmal den Wunsch verspürt, einen Blog zu starten. Doch wie es oft ist, kam dann das Leben dazwischen und ich habe wieder aufgehört. In den letzten Jahren habe ich immer wieder darüber nachgedacht und jetzt wage ich tatsächlich endlich den Schritt und würde mich freuen, wenn du mich dabei begleitest. Ich werde über alles schreiben, was mich beschäftigt, von Alltagsleben, Glauben und anderen Herzensangelegenheiten.

    Freizeit & Hobbies
    In meiner Freizeit lese ich am liebsten. In meinem Bücherregal stehen über 250 Bücher und unzählige weitere stehen auf meinem Wunschzettel. Wenn ich nicht gerade mit der Nase in einem Buch stecke, dann bin ich auch gern unterwegs und treffe mich mit Freunden. Ich habe das große Glück eine Handvoll sehr enge Freundinnen zu haben, mit denen ich mein Leben teilen kann und darf. Früher hatte ich immer nur die typischen Schulfreundschaften, aber in den letzten Jahren durfte ich neue Menschen in meinem Leben treffen, die sich innerhalb kürzester Zeit zu meinen engsten Vertrauten entwickelt haben.
    Auch Musik ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Wenn ich nicht gerade Musik höre, dann singe, summe oder pfeife ich meist irgendwas vor mich hin. Seit einigen Monaten nehme ich Gesangsunterricht, um selbstbewusster zu werden und in meiner Gemeinde darf ich in einem Musikteam alle paar Wochen sonntags den Lobpreis mitgestalten.

    Glauben
    Stichwort Gemeinde – ich lebe seit etwa anderthalb Jahren mein Leben aktiv mit Jesus an meiner Seite. Schon als Kind war mir irgendwie immer klar, dass es einen Gott gibt. Ich würde aber behaupten, dass ich eher atheistisch erzogen wurde und daher auch lange an weltlichen Dingen und Überzeugungen festgehalten habe.
    Gott hat mich nicht nur errettet, sondern er hat mich auch in eine großartige Gemeinde gestellt, in der ich mich unglaublich wohl fühlen darf. Als Jugendliche bin ich durch einige ziemliche Tiefphasen gegangen und in den letzten Monaten durfte ich spüren, wie Jesus tröstet, heilt und führt.

    Beruf
    Beruflich befinde ich mich momentan im dritten Jahr meiner praxisintegrierten Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Ursprünglich wollte ich nach dem Abitur wie die meisten studieren gehen und war fest entschlossen, Grundschullehrerin zu werden. In meinem freiwilligen sozialen Jahr durfte ich aber erfahren, wie erfüllend der Erzieherberuf ist. Ich liebe meinen Job und ich bin wirklich dankbar, ihn ausüben zu können. Und auch wenn ich mich jeden Nachmittag sehr auf mein Zuhause und vor allem mein Bett freue, bin ich doch jeden Morgen neu motiviert, den Kindern einen abwechslungsreichen und tollen Tag zu ermöglichen.

    Zusätzlich zu diesem Blog starte ich parallel einen zugehörigen Instagram-Account. Ich erhoffe mir damit, mehr Menschen zu erreichen und dort wird es dann eventuell auch immer wieder Einblicke in spontane und alltägliche Themen geben, während der Blog in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen einen neuen Beitrag bekommen soll. Der Account ist auf der Startseite verlinkt oder such einfach auf Instagram nach „hergefluester09„.

    FunFacts
    Zum Schluss gibt’s noch drei Funfacts über mich:
    1. Ich kann schneller reden als ich denken kann und das führt ziemlich oft zu richtigem Sprachsalat.
    2. Ich bin eine Meisterin der Prokrastination. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, wann ich mal vorzeitig mit einer Aufgabe angefangen habe. Meistens arbeite ich To-Dos am besten unter Zeitdruck ab, da bin ich dann immer am produktivsten.
    3. Ich bin ziemlich gut darin, meine eigenen Gefühle zu unterdrücken und vor der Außenwelt zu verstecken. Umso dankbarer bin ich deswegen, Freundinnen zu haben, die genau diese Fassade durchschauen können.