Da ist dieser junge Mann in meiner Gemeinde. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich wirklich nicht damit gerechnet, dass ich irgendwann mal über ihn schreiben würde. Wir konnten uns gegenseitig nicht leiden. Er fand mich nervig, ich ihn anstrengend. Punkt.
Und trotzdem … hat er sich in mein Leben geschlichen. Nicht leise, nicht sanft, sondern genau so, wie er ist: echt und ungefiltert. Und genauso, wie es in meinem Leben oft läuft: mit einem großen Knall.
Das hier ist der Anfang einer Geschichte, die ich nie geplant habe.
Aber manchmal schreibt Gott eben Kapitel, die man selbst nicht auf dem Schirm hatte.
Als ich ihn vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal wahrnahm, fand ich ihn einfach nur… anstrengend. So ein Typ, der sich selbst wahnsinnig lustig findet und mit lauten, derben Witzen jeden Raum einnehmen kann. Der zu viel Bier trinkt und den für den falschen Fußballverein jubelt. Doch zwischen Sommer und Spätherbst hat sich etwas verändert. Wir begannen, uns zu akzeptieren, wie wir sind. Uns zu sehen – mit allen Ecken und Kanten.
Und im Spätherbst hat es dann endgültig klick gemacht.
Immer mehr wurde aus „der Typ, der mich nervt“ jemand, der meine Gedanken einnimmt. Er ist nicht weniger chaotisch, nicht weniger frech, nicht weniger er selbst. Aber ich habe aufgehört, nur das zu sehen, was mich früher getriggert hat.
Ich sehe jetzt den Menschen dahinter.
Jemanden, der warmherzig ist, aufmerksam, überraschend tiefgründig, wenn er will.
Jemanden, der sich Dinge merkt, die ich nur nebenbei erwähnt habe.
Jemanden, der eine Leichtigkeit in Räume und in mein Leben bringt, die ich nicht gesucht, aber vermutlich gebraucht habe.
Jemanden, der mich zum Lachen bringt, selbst dann, wenn mir überhaupt nicht danach ist. Nicht weil er Comedy-Gold abliefert… sondern weil er mein Herz berührt, ohne dass er sich dafür anstrengen müsste.
Er ist immer noch er.
Bringt immer noch unpassende Witze.
Trinkt immer noch gern Bier und feiert immer noch den falschen Fußballverein.
Aber er hat diese Art, einen Spruch zu bringen, der eigentlich komplett daneben ist und trotzdem erwischt er mich damit. Ich lache, obwohl ich nicht will. Ich verdrehe die Augen, aber mein Herz grinst mit. Und immer wieder merke ich: Es sind nicht seine Witze, die mich zum Lachen bringen.. sondern er.
Jetzt ist da ein Platz in meinem Herzen, den ich nie bewusst freigemacht habe.
Einen Platz, den er sich einfach erschlichen hat.
Er hat ihn besetzt. Mit seinen Sprüchen, seiner Art, mich anzusehen, und der Art, wie er mich sehen und geliebt fühlen lässt.
Gott schreibt die verrücktesten Kapitel im Buch eines Lebens.
Und dieses Kapitel in meinem begann mit einem Menschen, den ich eigentlich gar nicht mögen wollte und der mir jetzt so wichtig ist, dass ich mir mein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen kann und will.
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