Herz Geflüster

Zeilen zwischen Herz, Alltag & Glaube

„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren“
– Philipper 4,7

Tagträumerin & Königstochter

Leben im Alltagschaos

Jetzt ist es schon eine ganze Weile her seit meinem letzten Blogbeitrag. Upsi. Da kam dann wohl das Leben dazwischen. Ausbildung, Gemeinde, Freundschaften, Familie und natürlich meine Beziehung. Alles fordert Zeit und ganz ehrlich? Manchmal verliere ich wirklich den Überblick über meinen Kalender. 

Und in den letzten Wochen und Monaten hab ich immer wieder gemerkt, dass ich mich dabei selbst verliere. Nicht weil ich das alles nicht gern mache. Ich bin gern unterwegs, gern mit Menschen zusammen, vor allem wenn sie mir wichtig sind. Ich sage zu vielem und vielen Menschen „Ja“. Vielleicht auch, weil mir „Nein“ sagen manchmal schwerfällt.

Diese Woche ist mein Freund im Urlaub. Wandern mit seinem Cousin. Ich bin absolut nicht neidisch, wandern ist ja mal so gar nicht meins. Natürlich mach ich es dennoch ab und zu mit ihm und zu zweit ist es ja auch ganz schön: Natur und Zweisamkeit. Aber die Höhenmeter und die Wege, die die beiden gehen? Danke, aber nein danke. Jedoch sind wir damit dann jetzt zum ersten Mal länger als drei Tage getrennt. Das waren wir in den letzten sieben Monaten nie. Naja, einmal über Silvester als ich fünf Tage weg war, aber da haben wir dann zumindest jeden Abend stundenlang telefoniert.

Und on top hab ich diese Woche zum ersten Mal drei Abende ohne Termine oder Verpflichtungen. Keine Besprechungen, keine Treffen mit Freunden oder Familie, einfach nichts. Und ich glaube, damit bin ich fast noch überforderter als mit einem vollen Terminkalender. Weil… was mach ich mit der ganzen freien Zeit? Außer meinen Freund zu vermissen natürlich. Was mach ich also mit der Zeit? Na klar, vollpacken. Aber nicht wie gewohnt mit Terminen und Verpflichtungen, sondern mit einer Mischung aus Aufgaben (wie Haushalt und Dingen, die längst mal von meiner To-do-Liste runtermüssen) und Me-Time. Puzzeln, Lesen, Musik hören. Ganz ohne schlechtes Gewissen, weil ich endlich mal wieder einfach sein darf.

Zurück zum vollen Terminkalender. Ich merke wirklich, wie ich meine Leidenschaften darin verliere. Ich habe dieses Jahr erst ein einziges Buch gelesen – und das Jahr ist inzwischen schon fünf Monate alt. Ein Buch in 23 Wochen?? Das entspricht so gar nicht meinem normalen Lesetempo. Auch das Schreiben, u.a. an meinem Blog findet zwischen allen Terminen kaum noch Platz. Auf meine Frühlings-Spaziergänge, die ich sonst jedes Jahr so gern gemacht habe, hab ich zurzeit irgendwie auch gar keine Lust.

Also, wer bin ich gerade? Wer ist die Lena, die gerade lebt? Wer bin ich noch, ohne meine ganzen Hobbies und Beschäftigungen? Vielleicht ist das sogar die eigentliche Frage hinter all dem: Wer bin ich, wenn ich nichts leiste, nichts abhake und niemandem gerade helfen kann? Die Antwort darauf ist zum Glück tatsächlich ziemlich simpel. Ich bin immer (noch) Gottes Kind. Wunderbar gemacht und geliebt, ganz egal wie es mir gerade geht, wie voll mein Terminkalender ist und wie oft ich tatsächlich daran denke, mit meinem himmlischen Vater zu sprechen. Denn auch das, muss ich ehrlich gestehen, kommt in den letzten Monaten viel zu kurz. Und ich bin so wahnsinnig froh, diese Gewissheit haben zu dürfen. Dass nichts, was ich tue oder eben auch nicht tue, meine Identität und meinen Wert so sehr bestimmt wie seine unendliche Gnade und Liebe.

Und drumherum? Wird es immer gute und schlechte Tage geben. Tage, an denen es mir gut geht, an denen ich glücklich bin, ich lese, singe und tanze, schreibe, puzzle oder Spazieren gehe. Und es gibt Tage, an denen es mir nicht so gut geht, an denen ich vielleicht traurig, gereizt oder erschöpft bin. An diesen Tagen ist es auch okay, einfach mal nichts zu machen oder eben nicht in den üblichen Hobbies aufzublühen.

Ich muss nichts geleistet haben, um geliebt zu werden – und wahrscheinlich muss ich mir genau diesen Satz selbst viel öfter vor Augen halten.

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